Ich weiß, was ich tu’ ...
... ist der Claim der aktuellen Präventionskampagne der AIDS-Hilfen in Deutschland. Koordiniert vom Dachverband wenden wir uns mit dieser Kampagne an Männer, die Sex mit Männern haben.
„Ich weiß, was ich tu'" ist eine schlaue Parole, denn sie drückt exakt die Haltung aus, die die AIDS-Hilfe seit 25 Jahren mit all ihren Angeboten und Interventionen verfolgt: Jeder und jede soll in der Lage sein, sich optimal ums eigene Wohlergehen zu kümmern!
Gesundheit ist mehr, als die Abwesenheit von Krankheit. Sie umfasst ein größtmögliches körperliches, psychisches und soziales Wohlbefinden. Diese Charta der Weltge-sundheitsorganisation ist Leitgedanke, Mission und Auftrag unserer Arbeit. Und so liegt es auf der Hand, den Erfolg von Präventionsbemühungen daran zu messen, wie gut sich jemand selbst helfen kann. Um sich vor Infektionen mit HIV und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten zu schützen. Und genauso, um mit einer HIV-Infektion möglichst gut zu leben.
Stets beides, denn die verschiedenen Ebenen der Präventionsarbeit, die Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention, sind im Konzept der AIDS-Hilfe stets miteinander verbunden und bedingen sich gegenseitig. Ebenso die feste Überzeugung, dass die Arbeit mit Menschen, die von HIV/AIDS besonders bedroht sind, stets Hand in Hand gehen muss mit dem Wirken in und für ihre Gemeinwesenstrukturen.
50 % der Menschen, die in Deutschland mit HIV leben, sind schwule Männer. Bei den - in den letzten Jahren deutlich gestiegenen - Neuinfektionszahlen macht ihr Anteil sogar 75 % aus. Vor diesem Hintergrund ist es plausibel, dass die Deutsche AIDS-Hilfe den Auftrag einer spezifischen Kampagne für diese Zielgruppe erhielt.
Mit einem Gutteil ihrer Angebote wendet sich die AIDS-Hilfe Hamburg an die Zielgruppe der schwulen Männer. Selten exklusiv, denn schließlich gibt es eine Reihe weiterer Bevölkerungsgruppen, für die HIV eine Bedrohung darstellt. In der Abstimmung ihrer Interventionen achtet die AIDS-Hilfe darauf, diesen unterschiedlichen Zielgruppen mit den jeweils passenden Konzepten und Methoden gerecht zu werden - im aktuellen Fall mit der bundesweiten Kampagne „Ich weiß, was ich tu'".
Rund 5.000 Mal jährlich wird die AIDS-Hilfe Hamburg, das ergab eine Stichprobenerhebung im Jahr 2007, in Beratungen dezidiert nach dem HIV-Antikörpertest befragt. Bei mittlerweile fast 16.000 Kontakten jährlich liegt die Zahl der Informations- und Beratungsgespräche, die Infektionsvermeidung und Übertragungswege zum Inhalt haben, um ein Vielfaches höher. Mit 45 Wochenstunden Infotresen, 10 Stunden anonymer Infoline, Onlineberatung rund um die Uhr, fachspezifischen Beratungsangeboten zu sozialen, medizinischen, psychologischen Themen und zu Präventionsfragen sowie aufsuchenden Präventionsangeboten für Jugendliche und für Einwanderer ist die AIDS-Hilfe Hamburg zentraler Ansprechpartner für alle Präventionsfragen rund um HIV.
Albern und verschraubt klingt beim ersten Hören die Zielgruppenbezeichnung „Männer, die Sex mit Männern haben". Wozu haben wir uns seit Jahrzehnten dafür stark gemacht, die Begriffe „schwul" und „bisexuell" selbstverständlich werden zu lassen, will man fragen. Fachlich hat diese Bezeichnung jedoch durchaus ihren Sinn. Denn sie umfasst neben schwulen und bisexuellen Männern, die sich selbst auch als solche definieren, zusätzlich diejenigen, die für diese Seite ihrer Identität keinen Namen haben. „Die Dunkelziffer" würde sie die Bewegungsschwester nennen. „Schwer erreichbare Gruppe" sagen die Präventionsarbeiter. Durch HIV besonders verletzlich sind sie in Konsequenz dieser Sprachlosigkeit allemal. Als zentraler Ansprechpartner für die Präventionsfragen unterschiedlicher Zielgruppen ist die AIDS-Hilfe Hamburg prädestiniert, mit ihren Interventionen diese Gruppe zu erreichen, die, würden ausschließlich für Schwule bestimmte Projekte auf sie zugehen, sofort in die Flucht ergriffen. Neben unseren niedrigschwelligen anonymen Informations- und Beratungsangeboten haben unsere Präventionsteams für Migranten sowie die Schoolworker hier einen besonderen Stellenwert.
Selbstverständlich aber auch, dass die AIDS-Hilfe Hamburg zum CSD 2009 deutlich zeigt, dass sie ein Teil der Kampagne „Ich weiß, was ich tu'" ist! Verschiedene unserer Angebote, etwa die Präventionsberatung und die Kompetenzworkshops in der Reihe „Gesundheit ist mehr ...!" tragen bereits seit Längerem das Kampagnenlabel. Wie schon im letzten Jahr wird unser Infostand beim CSD-Straßenfest 2009 neben unserem lokalen natürlich auch wieder das Logo der IWWIT-Kampagne zeigen. Das Aidshilfehaus, direkt am Paradenstart gelegen, wird bereits während der Pride Week mit einem Riesenbanner mit der Aufschrift „Ich hätte nie gedacht, mit nem Positiven zu ficken!" prangen. Dieses bringt ein paradoxes Phänomen auf den Punkt: So selbstverständlich der gelebte Kontakt zwischen HIV-positiven, -negativen und ungetesteten schwulen Männern in vielen Teilen der schwulen Gemeinde ist, so groß ist auch dort die allgemeine Sprachlosigkeit zu diesem Thema..jpg)
Alle unsere CSD-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, egal ob Infostand, Café, Tombola oder Gedenkaktion, werden mit einheitlichen Kampagnen-T-Shirts ausgestattet sein. Damit zeigen wir, mit welcher Man- und Womanpower wir auch nach 25 Jahren täglich daran arbeiten, dass jeder die Chance erhält, zu wissen, was er tut. Und als Einstimmung wird seitens der DAH ein 30-Tonner in der Parade rollen, der komplett im Kampagnendesign gestaltet ist und von einem eigenen Kampagnenteam begleitet werden wird.
