"Ich lasse mich nicht unterkriegen"
Gespräch mit Stephan (39), Rollenmodell der Kampagne "Ich weiß, was ich tu'". 12. September 2011, 18.30 Uhr.
Stephan wohnt in Offenbach, arbeitet als Erzieher und ist HIV-positiv. Für ihn kam dieses Ergebnis völlig überraschend. Er wurde im Rahmen eines Bewerbungsverfahrens einer Airline getestet und hat nicht mit diesem Ergebnis gerechnet. Ab diesem Moment teilt sich sein Leben in eine positive und eine negative Zeit.
In der negativen Zeit hat er sich schon viel engagiert. Nicht nur in Sachen HIV und AIDS, sondern auch dafür, dass Homosexualität endlich einmal anerkannt wird. Und seit er positiv ist, ist es ihm erst recht ein Anliegen. Er sagt: „Ich bin zwar verwundet, aber solange ich gerade stehen und das Gewehr halten kann, ziele ich auf dieses Virus. Gerade, weil's eigentlich so einfach ist, sich zu schützen."
Gesundheitlich ging es ihm schnell schlechter. Nach der Diagnose war er ständig erkältet, kriegte Hautausschläge, Gürtelrose und sein Darm ist seitdem angeschlagen. Schon ein Jahr nach dem positiven Test musste er mit der Therapie angefangen. „Mir kommt es heute so vor, als hätte ich vor meinem Testergebnis wie ein Blinder von den Blumen gesprochen, die ich nie gesehen habe. Ich meine, ich habe die ganzen Jahre dagegen gekämpft, habe Präventionsarbeit gemacht, mit Betroffenen gesprochen. Du kannst dich ja nicht einmal selbst davor schützen, habe ich gedacht! Anderen erzählen, dass sie Kondome nehmen sollen, um sich zu schützen - und dir selbst passiert das! Es hat eine ganze Zeit gedauert, bis mir klar war, dass ich weiterkämpfen werde. Jetzt erst recht!"
Auf Einladung unserer Freiwilligenagentur spricht Stephan in der AIDS-Hilfe Hamburg gemeinsam mit Matthias Kuske, Deutsche AIDS-Hilfe, über seine Erfahrungen in der Kampagne "Ich weiß, was ich tu'".
